Gesture HW1: Roboterhand für unter 1000 Dollar auf Kickstarter

Gesture Platforms hat den Fehdehandschuh hingeworfen – oder besser gesagt: eine extrem bewegliche Roboterhand. Mit der neuen Gesture HW1 auf Kickstarter will das Unternehmen Schluss machen mit der Ära der plumpen Greifzangen, die eher an die Klauen von Jahrmarkt-Automaten erinnern als an moderne Hochtechnologie. Die Wette gilt: Forscher, Maker und Bildungseinrichtungen lechzen nach einer 10-DOF-Roboterhand (Degrees of Freedom), die echte Präzision bietet, ohne das Budget eines Kleinstaates zu verschlingen.

Das Projekt hat sein bescheidenes Finanzierungsziel von 10.000 $ bereits in kürzester Zeit pulverisiert. Für einen Preis, der deutlich unter der 1.000-Euro-Marke liegt, bietet die HW1 ein beeindruckendes Paket: Bei einem Gewicht von schlanken 480 Gramm verfügt sie über 10 aktive Freiheitsgrade. Das umfasst die individuelle Beugung der Finger, das Spreizen der Finger, einen Daumen mit 3 Freiheitsgraden sowie ein Handgelenk mit 2 Freiheitsgraden. Damit lassen sich fast alle menschlichen Griffmuster und Posen verblüffend echt imitieren. Besonders charmant für den Werkstatt-Alltag: Die HW1 ist so konstruiert, dass sie mit einem einfachen Inbusschlüssel selbst repariert werden kann. Eine Plug-and-Play-Desktop-App soll zudem die berüchtigten Software-Hürden aus dem Weg räumen, an denen viele Projekte scheitern.

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Auf Kickstarter wird die HW1 aggressiv bepreist. Early-Bird-Pakete starten bei rund 849 $, was ein satter Rabatt gegenüber der geplanten UVP von 1.299 $ ist. Damit besetzt Gesture Platforms eine Marktlücke, die bisher schmerzlich klaffte: Zwischen simplen, billigen Greifern und den fünf- bis sechsstelligen High-End-Händen von Firmen wie der Shadow Robot Company gab es für ambitionierte Entwickler kaum brauchbare Optionen.

Warum ist das wegweisend?

Die geschickte Manipulation von Objekten – in Fachkreisen „Dexterous Manipulation“ genannt – war in der Robotik lange Zeit primär eine Kostenfrage. Die meisten Labore und Hobbyisten waren schlichtweg von Händen ausgeschlossen, die komplexe, menschenähnliche Aufgaben bewältigen können. Projekte wie die LEAP Hand der Carnegie Mellon University und nun die Gesture HW1 rütteln an diesem Status Quo und senken die Einstiegshürden massiv.

Indem Gesture Platforms eine zuverlässige, reparierbare und erschwingliche Plattform bietet, demokratisieren sie den Zugang zu fortschrittlicher Hardware. Das könnte die Forschung in Bereichen wie Reinforcement Learning, Mensch-Roboter-Interaktion und Teleoperation massiv beschleunigen. Plötzlich können auch kleinere Teams oder Einzelpersonen mit Szenarien experimentieren, die früher das exklusive Spielfeld von finanzstarken Tech-Giganten und Elite-Universitäten waren. Wenn die versprochenen SDKs für Python und C++ halten, was sie versprechen, könnte die HW1 zum neuen Standard-Equipment für die nächste Welle der Robotik-Innovation werden.